Montageverfahren

Drehmomentgesteuertes Anziehen

Drehmomentgesteuertes Anziehen kann mit anzeigenden oder Signal gebenden Drehmomentschlüsseln oder motorischen Drehschraubern erfolgen. Neben der Steuergröße Drehmoment wird oftmals auch der Drehwinkel ab einem Schwellmoment mitgemessen, um den Anziehvorgang zu überwachen. Das drehmomentgesteuerte Anziehen ist auf Grund der einfachen Handhabung und der kostengünstigen Anziehgeräte am weitesten verbreitet. Alle Schlagschrauber und Drehschrauber sollten nur in Schraubversuchen am Originalteil eingestellt werden. Dies kann entweder über das Losreißmoment, das Weiterdrehmoment oder die Verlängerungsmessung an der Schraube erfolgen. Das Losreißmoment ist dabei das Moment, welches benötigt wird, um die Schraube nach abgeschlossenem Verschraubungsvorgang weiterzudrehen. Es unterscheidet sich von dem Soll-Anziehdrehmoment für Drehmomentanziehen um den Nachziehfaktor, der – je nach Art der Schraube, der Reibungs- und  der Nachgiebigkeitsverhältnisse – zwischen 0,85 und 1,30 schwanken kann. Das Weiterdrehmoment lässt sich nur mit speziellen Anziehwerkzeugen erfassen, die Drehwinkel und Drehmoment beim Weiterdrehen messen und das nach Überwindung der Haftreibung (durch das höhere Losreißmoment) zum Weiterdrehen notwendige Moment im Montagezustand beim Weiterdrehwinkel 0° errechnen. Mittels Ultraschall oder auf mechanischem Wege kann die Verlängerung der Schraube gemessen und die erreichte Vorspannkraft über die Schraubennachgiebigkeit bestimmt werden. Drehschlagschrauber übertragen die Energie durch Impuls. Die Einstellung von Drehschlagschraubern muss wie bei Drehschraubern am Original-Bauteil vorgenommen werden. Die Anziehfaktoren im elastischen Bereich sind so hoch, dass dieses Anziehverfahren für hochbeanspruchte Schraubenverbindungen nicht empfohlen werden kann. Bei jedem Impuls sind das kurzzeitig wirkende Spitzenmoment und der Weiterdrehwinkel messbar. Neuere Impulsschrauber mit Impulsüberwachung erlauben somit streckgrenzgesteuertes Anziehen.

Drehwinkelgesteuertes Anziehen

Das drehwinkelgesteuerte Anziehen ist ein indirektes Verfahren der Längenmessung, da die Längenänderung der Schraube über die Steigung des Gewindes (theoretisch) direkt proportional zu dem zurückgelegten Drehwinkel ist. Dabei werden sowohl die Druckverformungen innerhalb der verspannten Teile als auch die in den Trennflächen bis zur vollflächigen Anlage eintretenden elastischen und plastischen Verformungen mitgemessen. Da die Verformungen der Trennflächen meist nicht vorausbestimmbar und unregelmäßig sind, wird bei der praktischen Ausführung dieses Prinzips – wie beim streckgrenzgesteuerten Anziehen – zunächst mit einem Fügemoment so weit vorgespannt, bis vollflächiger Kontakt aller Trennflächen eintritt. Der Drehwinkel wird dann erst nach Überschreiten des Schwellmoments gezählt. Neben der Steuergröße Drehwinkel wird oftmals auch das Drehmoment mitgemessen, um den Anziehvorgang zu überwachen. Die Praxis hat gezeigt, dass dieses Verfahren erst dann seine größte Genauigkeit erreicht, wenn die Schraube in den überelastischen Bereich angezogen wird, weil sich dann Winkelfehler wegen des annähernd horizontalen Verlaufes der Verformungskennlinie im überelastischen Bereich kaum auswirken. Hier ist die Reibungszahl in der Auflage ohne Einfluss auf die erreichte Montagevorspannkraft. Im elastischen Bereich hingegen fallen Winkelfehler in den steilen Kurvenverlauf des elastischen Teils der Verformungskurve. Auch in diesem Fall ergibt sich jedoch ein gegenüber dem drehmomentgesteuerten Anziehen verminderter Einfluss der Reibung auf die Vorspannkraftstreuung. Der Drehwinkel sollte möglichst in Versuchen am Originalbauteil ermittelt werden, um die Nachgiebigkeit der Konstruktion richtig zu erfassen. Bei geeignetem Drehwinkel kann ein Bruch der Schraube oder eine Überbeanspruchung durch Überschreiten der Zugfestigkeit sicher ausgeschlossen werden. Wegen des Überschreitens der Streckgrenze des Schraubenwerkstoffs ist die Wiederverwendbarkeit der Schrauben jedoch eingeschränkt. Das Verfahren kann nur bei ausreichendem Verformungsvermögen der Schrauben (freie belastete Gewinde- oder Dehnschaftlänge) eingesetzt werden. Das drehwinkelgesteuerte Anziehen ist in der Automobilindustrie Stand der Technik 

Streckgrenzgesteuertes Anziehen

Beim streckgrenzgesteuerten Anziehverfahren dient der Fließbeginn der Schraube als Steuergröße für die Montagevorspannkraft. Unabhängig von der Reibung in der Auflage wird die Schraube so lange angezogen, bis die Streckgrenze bzw. Dehngrenze der Schraube infolge der Gesamtbeanspruchung aus Zug- und Torsionsspannung etwa erreicht ist. Wie beim drehwinkelgesteuerten Anziehen ist die Verbindung zunächst mit einem Fügemoment vorzuspannen. Beim streckgrenzgesteuerten Anziehen wird der Fließbeginn der Schraube dadurch erkannt, dass Drehmoment und Drehwinkel beim Anziehen gemessen und deren Differenzquotient dMA/dJ, gleichbedeutend mit der Steigung einer Tangente in der Drehmoment/Drehwinkel-Kurve, gebildet wird. Sobald plastische Verformungen auftreten, fällt der Differenzquotient ab. Dieser Abfall auf einen bestimmten Bruchteil des zuvor ermittelten Höchstwertes im linearen Teil der Drehmoment/ Drehwinkel-Kurve löst das Abschaltsignal aus. Bei einer Erhöhung der Montagevorspannkraft infolge geringerer Gewindereibung wird der Torsionsanteil entsprechend reduziert. Eine gesonderte Auslegung der Schraube für die größtmögliche Montagevorspannkraft FMmax ist also hier nicht nötig. Der stets vorhandene Anziehfaktor aA > 1 bleibt somit bei der Auslegung der Schraube unberücksichtigt. Die plastische Verlängerung, die die Schraube dabei erfährt, ist sehr gering, so dass die Wiederverwendbarkeit von streckgrenzgesteuert angezogenen Schrauben kaum beeinträchtigt wird. Die Schraubfallhärte, das Schwellmoment und das Abschaltkriterium sollten der betrachteten Verbindung angepasst werden.